Brauchtum
Traditionen und Bräuche unserer Stadt
Der Kaufmannszug & Geleit
Alle vier Jahr ein großes Spektakel!
In Seligenstadt, der letzten Raststation vor Frankfurt, gründete sich 2002 der Arbeitskreis Kaufmannszug. Nach über 200 Jahren startete dann erstmals am 31. Mai 2003 wieder ein Zug mit Kaufleuten und ihrem Geleit von Nürnberg aus in Richtung Frankfurt. Seither findet alle vier Jahre ein solcher Kaufmannszug statt.
Für die Teilnehmer des Kaufmannszuges steht eine Reise in die Vergangenheit, genauer gesagt ins 18. Jahrhundert an: Zwei Wochen lang reisen sie zu Pferd und in Planwagen von Augsburg nach Seligenstadt. In manchen Jahren durften wir uns schon über mehr als 290 Teilnehmer freuen.
Der Brauch des Kaufmannszugs und des Löffeltrunks in Seligenstadt war im Mittelalter und der frühen Neuzeit ein bedeutender Bestandteil des städtischen Lebens und der Handelskultur. Seligenstadt, eine Stadt in der Nähe von Frankfurt, war ein wichtiger Rastpunkt für Kaufleute, die auf dem Weg zur Frankfurter Messe waren. Der Kaufmannszug war ein großer Geleitzug von Händlern und ihren Waren, der von bewaffneten Schutzeinheiten begleitet wurde, um sie vor Raubüberfällen zu schützen.
Die letzte Rast vor der Ankunft in Frankfurt wurde in Seligenstadt gemacht. Hier entwickelte sich der Brauch des „Löffeltrunks“. Ein riesiger Löffel, der einen Liter Wein fasste, wurde von den Kaufleuten in einem Zug geleert. Dieser Trinkritus war nicht nur ein geselliges Ereignis, sondern auch ein formeller Akt. Neue Mitglieder, die zum ersten Mal an einer solchen Geleitsreise teilnahmen, wurden durch diesen Brauch in die Kaufmannsgilde aufgenommen. Der Löffeltrunk wurde von einer Zeremonie begleitet, bei der die Teilnehmer schwierige Fragen beantworten mussten, um ihre Schlagfertigkeit und ihr Wissen zu beweisen.
Diese Traditionen schufen nicht nur eine starke Gemeinschaft unter den Kaufleuten, sondern trugen auch dazu bei, die Stadt Seligenstadt während der Messezeiten lebendig zu halten. Heutzutage sind diese Bräuche historische Rituale, die in Erinnerung an die reiche Handelsgeschichte der Stadt gepflegt werden. Der Kaufmannszug und der Löffeltrunk sind heute Symbole für die Geschichte und das Erbe von Seligenstadt.
Das Geleit – ein Begriff, der heutzutage nahezu aus unserem Sprachgebrauch verschwunden ist. Heute würde man von einem bewaffneten Konvoi oder ähnlichem sprechen. Doch das Wort „Geleit“ beinhaltet eine Bedeutung, die anderen Bezeichnungen fehlt. Freunde und gute Bekannte geleitet man – das heißt, man zeigt ihnen den Weg und begleitet sie auf hilfreiche Weise, damit sie sicher ans Ziel gelangen.
Im Mittelalter entwickelte sich die Stadt Frankfurt zur „Freien Reichsstadt“ und wurde zu einem bedeutenden Waren- und Geldmarkt von weltweiter Bedeutung. Der Hauptteil des Handels fand auf den jährlichen Messen statt, wo enorme Umsätze erzielt wurden. Im Gegensatz zu den heutigen Mustermessen waren diese Veranstaltungen, auf denen Kaufleute ihre Güter feilboten, Großmärkte für Waren. Das Einzugsgebiet der Frankfurter Messe erstreckte sich über ganz Europa, inklusive der süddeutschen Städte Nürnberg und Augsburg, die ihre Produkte ebenfalls auf den Frankfurter Markt brachten. Die Stadt veranstaltete zunächst eine Messe, erhielt dann 1330 das Privileg, zwei Messen abzuhalten – die „neue“ Messe im Frühjahr und die „alte“ Messe im Herbst.
Um sich vor Raubüberfällen während des Gütertransports zu schützen, bildeten die Kaufleute große Warenzüge, die von Sicherungstruppen des Kaisers als Schutzherrn von Märkten und Straßen gegen Gebühren „geleitet“ wurden. Das Recht auf Geleitsbegleitung ging im hohen Mittelalter von Königen und Kaisern auf Landesfürsten über, deren Gebiet die Geleitszüge durchquerten. Anfangs waren die Geleitsstraßen frei wählbar, man wählte die sicherste, beste und kürzeste Route. Im 14. Jahrhundert verlief die Nürnberger Geleitsstraße im Rhein-Main-Gebiet von Aschaffenburg bis Frankfurt über Babenhausen, Jügesheim oder Seligenstadt. Doch 1486 erhielt der Kurfürst von Mainz das Recht, das Geleit nur durch sein Gebiet zu führen, was die Festlegung einer bestimmten Geleitsstrecke zur Folge hatte – von Tauberbischofsheim über Külsheim, Miltenberg, Klingenberg, Aschaffenburg, Stockstadt, Seligenstadt, Steinheim, Mühlheim bis nach Frankfurt.
Der Schutzbrief garantierte allen Reisenden zur und von der Messe körperliche Sicherheit durch kaiserliche Truppen.
Auch im 17. und 18. Jahrhundert wurden Geleitszüge von Nürnberger und Augsburger Geleitsreitern begleitet.
Die Schutzgarantie führte zu einem Aufschwung der Messe, und die Zahl der „geleiteten Züge“ nahm stetig zu. Die Landesherren übernahmen schließlich die Pflicht, den Schutz der Kaufmannszüge zu gewährleisten, was für die Kaufleute mit hohen Kosten verbunden war. Obwohl es viele Geleitswege gab, interessieren uns hier besonders die Routen von Augsburg und Nürnberg nach Frankfurt. Im Laufe der Zeit änderten sich diese Wege deutlich, da die fürstlichen Landesherren ihre eigenen Interessen verfolgten und die Routen nach ihrem Gutdünken festlegten.
Seligenstadt war meist die letzte Rast vor der Ankunft in Frankfurt, und die verbleibenden 20 km waren in der Regel kein großes Problem mehr. Deshalb wurde diese Etappe oft ausgelassen und ausgelassen gefeiert. Ein Brauch, der sich entwickelte, war der „Löffeltrunk“.
Da Seligenstadt meist als letzte Rast vor der Frankfurter Messe diente, wurde am Abend vor der Weiterreise oftmals gefeiert. Dazu zählte auch der Löffeltrunk.
Ein großer Löffel, der einen Liter Wein fasste, wurde in einem Zug geleert. Dieses Trinkritual wurde mit einer Zeremonie begleitet, bei der die Teilnehmer schwierige und humorvolle Fragen beantworten mussten, um ihre Schlagfertigkeit und Kenntnisse zu beweisen.
Der Löffeltrunk war nicht nur eine Trinkgewohnheit, sondern auch ein Rechtsbrauch, um neue Mitglieder in die Kaufmannsgilde aufzunehmen. In der Regel waren dies Neuankömmlinge, die zum ersten Mal die Strapazen einer solchen Geleitsreise auf sich genommen hatten und nun vollwertige Mitglieder der „Compagnie“ wurden.
Dieser Brauch ist durch einen Spruch auf einer Silberplatte des Augsburger Löffels belegt, der lautet: „Willkommen zu Seligenstadt, hier pflegt man einzuschenken und dabei zu bedenken, was Recht der Löffel hat.“
Jede Kaufmannsgilde hatte ihren eigenen Löffel.
Die Ankunft eines Geleitzuges versetzte ganz Seligenstadt in helle Aufregung. Die Bewohner waren voller Vorfreude, alte Bekannte zu begrüßen oder neue kennenzulernen. Neben dem sozialen Austausch spielten auch wirtschaftliche und finanzielle Aspekte eine wichtige Rolle. Heute sind diese Zeiten längst vergangen.
Der Heimatbund
Der Heimatbund Seligenstadt e.V. ist die Dachorganisation der Vereine, Zünfte und Gruppen in Seligenstadt. Wir haben uns zur Aufgabe gestellt, nach den Grundsätzen der Freiwilligkeit und des demokratischen Rechtstaats, jedoch unter Ausschluss von parteipolitischen, konfessionellen, beruflichen und ethnischen Gesichtspunkten, als eine unabhängige Organisation folgende Zwecke zu fördern:
– Pflege des Heimatgedankens
– Erhaltung und Förderung des heimatlichen Brauch- und Schrifttums
– Mitarbeit an der Verschönerung des Stadtbildes im Rahmen der Denkmalpflege
– Erhaltung des fastnachtlichen Brauchtums.
Er vertritt zurzeit ca. 60 Seligenstädter Vereine mit 14.874 Mitglieder.
Die Mühlen mahlen noch
Die Klostermühle befindet sich in unmittelbarer Nähe des berühmten Benediktinerklosters Seligenstadt. Das Kloster wurde im 9. Jahrhundert gegründet und spielte eine bedeutende Rolle in der mittelalterlichen Geschichte der Region. Die Klostermühle wurde wahrscheinlich im Mittelalter errichtet und diente als Wassermühle zur Versorgung des Klosters und der umliegenden Gemeinde mit Mehl.
Das beeindruckende Fachwerkgebäude, das den traditionellen Baustil der Region widerspiegelt wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals renoviert, wobei die historische Architektur sorgfältig bewahrt wurde.
Ursprünglich diente die Klostermühle dazu, Getreide zu mahlen und Mehl herzustellen. Die Wasserkraft des nahegelegenen Flusses wurde genutzt, um die Mühlenräder anzutreiben. Heute wird die Mühle nicht mehr für kommerzielle Zwecke genutzt, sondern ist ein historisches Denkmal und eine Touristenattraktion, die sowohl von Außen als auch von Innen besichtigt werden kann. Es ist auch möglich, die restaurierten Mühlenräder und andere historische Mühlenausrüstungen zu sehen.
Bei einer Stadtführung können sie mehr über die Geschichte der Mühle und ihre Bedeutung für die Stadt Seligenstadt erfahren.
Die Klostermühle in Seligenstadt ist ein lebendiges Zeugnis für die handwerkliche und technologische Entwicklung in der Region. Sie steht für die enge Verbindung zwischen der Stadt und ihrem reichen kulturellen Erbe.
Der Zunft & Handwerkermarkt
Im historisch einmaligen Ambiente der ehemaligen Benediktinerabtei in Seligenstadt am Main richtet der Verein Klatschmohn Seligenstadt e.V. alle zwei Jahre an einem Wochenende im Mai den historischen Zunft- und Handwerkermarkt aus. Hier können Sie eintauchen in die Welt der Handwerkskünste, der fahrenden Händler, Scholaren, Spielleute und Gaukler, vornehmlich aus dem 18. Jahrhundert.
Für allerlei Kurzweil sorgen Gaukler, Artisten und Musiker mit alten Instrumenten und für den leiblichen Genuss gibt es liebevoll zubereitete Köstlichkeiten aus Omas Küche sowie Speisen, die in der alten Klosterküche auf offenem Feuer zubereitet werden. Der Markt spielt in der Zeit der Kaufmannszüge, in denen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert Verbände von Kaufleuten mit ihren Pferdefuhrwagen aus allen Himmelsrichtungen zur Frankfurter Messe zogen um dort ihre Waren feilzubieten. Den Abschluss des Marktes bildet eine atemberaubende Feuershow auf dem Gelände des ehemaligen Klosters.